"WIDAR"

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heißt in der germanischen Mythologie der schweigende Ase. Schweigen muss aber nicht mit "stumm sein" oder "nichts zu sagen haben" gleichbedeutend sein. Schweigen, wie ich es verstehe, kann auch heißen, dass man nicht äußerlich tönen möchte, ja sogar dass das Wort Tat wird.

"Widar" gilt mir deshalb als Schutzpatron des inneren Wortes, das im Getöse der äußeren Beredsamkeit, des andauernden Geschwätzes unaufdringlich vernommen werden möchte.

Es ist eines der großen Missverständnisse unserer Kultur, dass man dem Zuhörenden, dem Wahrnehmenden weniger Aktivität zuspricht als dem Sprechenden und Machenden.

Das Wesen des schweigenden Wortes lebt in seiner reinsten Form in der Eurythmie. Dass Eurythmie nicht ein Selber-Sprechen ist, sondern ein so weit verstärktes Lauschen, dass es dadurch im Ätherischen Raum vernehmbar wird, hat Rudolf Steiner am Ende des Heileurythmiekurses ausdrücklich erwähnt.

Aber gilt das nicht auch für die Sprachgestaltung? Ist nicht auch ihr Quell ein intensiviertes Lauschen auf die verdichteten Worte?

Die Lebensbedingungen der Anthroposophie konnten am Anfang des Jahrhunderts noch wenig begriffen werden – zu stark waren alte Gewohnheiten: Autoritäten zu folgen, das Geistige von außen empfangen, schauen zu wollen. Heute ist ein Umdenken in Gang gekommen. Dabei geht die Tendenz in zwei Richtungen: Ausdehnung, Wirksamwerden in der Öffentlichkeit einerseits, neue Erfüllung aus den lebendigen Quellen andererseits. Ich möchte nicht sagen, dass das ein Widerspruch sein muss – häufig aber treten beide Tendenzen tatsächlich getrennt auf.

Auch für die Künste hat ein solcher Prozess der Neu-Orientierung begonnen. Als die Gefahren hier sehe ich einerseits das Festhalten an tradierten äußeren Formen an (doch dies wird inzwischen eher die Ausnahme sein) und andererseits die Orientierung an den inhaltsleeren Formen des heutigen Kulturbetriebs. Kunstwerke werden dabei zu "Produktionen", Qualität nicht an der inneren Aussage gemessen sondern an Begriffen wie: Virtuosität, Präzision, Originalität... Die wesentliche Frage: hat es mir etwas gesagt, hat es, mehr noch, mich selbst zum Klingen gebracht, so dass ich verwandelt herausging – wird nur selten gestellt. Wenn sie nicht ebenso einseitig provozieren will, wird Kunst dann zum möglichst perfekten Sinnengenuss.

Gedanken, Ausführungen zu diesem Themenkreis bis hin zu meinen Büchern finden sich auf diesen Seiten.

Eintreten

 

"VIDAR"

In der kroatischen und bosnischen Sprache ist Vidar (v übernimmt hier die Aussprache des nicht vorhandenen W) das Substantiv zu "schauen" und "heilen". Kann treffender beschrieben werden, was Eurythmie möchte?

Unter dem Namen "Vidar" trat auch eine Künstlergruppe auf, die sich mit der sprachlich-eurythmischen Darstellung von Gedichten des bosnischen Dichters Mak Dizdar beschäftigt.

Er ließ sich von den Bildsteinen der Bogumilen inspirieren, die diese als ebenfalls schweigend-sprechende Zeugnisse ihrer Spiritualität im ausklingenden Mittelalter tausendfältig hinterließen. Die Gruppe "Vidar" brachte das Programm "Jer je vrijeme blizu" an viele Orte in ganz Europa – Bosnien, Österreich, Schweiz, Holland und natürlich Deutschland.

Eintreten zu Ensemble VIDAR